Seilklemme VH 400

Eine Weiter-Entwicklung  der kuppelbare Seilklemme durch die Firma Von Roll

Historische Bedeutung
Die abkuppelbare Seilklemme VH 400 war in den 1980er-Jahren eine bedeutende Neuerung im Seilbahnbau. Entwickelt wurde sie von den Schweizer Firmen Von Roll und Habegger – das Kürzel „VH“ steht für Von Roll-Habegger. Eingesetzt wurde diese Klemme erstmals Mitte der 1980er Jahre, zum Beispiel 1984 in Schönried (Schweiz) an einer 3er-Sesselbahn. Sie stellte eine Weiterentwicklung früherer Klemmen dar und wurde speziell für kuppelbare (abnehmbare) Sessellifte und Gondelbahnen konzipiert. Kaum neu entwickelt, wurde sie an der Expo 86 in Vancouver für eine Gondelbahn mit 6er Gondeln erfolgreich eingesetzt. Im Jahr 1987 kam die VH 400 in Anzère (Wallis) bei der damals schnellsten Sesselbahn der Welt mit 24 km/h zum Einsatz. Dies zeigt ihre wichtige Rolle für damals aufkommende, leistungssteigernde Anlagen.


Die VH 400-Klemme war historisch bedeutsam, weil sie neben der Klemme selbst, eine ganze Reihe von Neuerungen im Anlagebau der kuppelbaren Systeme, insbesondere der Gondel- oder Sesselfördersysteme in den Stationen mitbrachte. Noch heute bilden abkuppelbare Seilklemmen das Herzstück moderner Umlaufseilbahnen und treiben deren Leistungsfähigkeit und Sicherheit auf einem sehr hohen technischen Niveau. Die VH400 mit ihrem Prinzip der Schliesskraft mittels Tellerfedern und dem Eigengewicht der Gondel oder des Sessels wurden leider nach der Übernahme der VonRoll durch die Doppelmayergruppe nicht weiterverfolgt und eingesetzt, obwohl sie zu dieser Zeit als wohl ausgeklügelste und sehr einfache Klemme von den Betreibern sehr geschätzt wurde. Die Nachfrage für grössere Lasten wie 15er-Gondeln oder 6er Sessellifte hätte eine Weiterentwicklung erfordert, deren Investition aus markttechnischen Gründen keinen Sinn mehr ergaben.

Technische Funktion
Der grosse Vorteil von abkuppelbaren Seilklemmen ist in den Ein- und Ausstiegsstationen einfach zu erkennen. Die Gondeln oder Sessel können mit dem schnelllaufenden Förderseil (bis zu 6m/sec oder 36km/std) auf der Strecke zwischen den Stationen befördert werden, eine Geschwindigkeit, die viel zu hoch ist, um in den Stationen Ein- oder Aussteigen zu können. Also werden die Gondeln oder Sessel Eingangs der Stationen vom Förderseil getrennt, bzw. abgekuppelt und mittels Fördersysteme, in den meisten Fällen aneinander gereihte Pneuräder, auf eine langsame Geschwindigkeit abgebremst, beladen und danach für die Ausfahrt wieder beschleunigt bis die Geschwindigkeit des Förderseils wieder erreicht ist und wieder auf das Seil gekuppelt. Damit werden Sicherheit und Komfort der Passagiere ganz wesentlich verbessert.


Die Seilklemme VH 400 ist im Grunde eine große, starke Klammer, die das Förderseil der Seilbahn fest umgreift. An dieser Klemme hängt die Gondel oder der Sessel. Sie verbindet also das Fahrzeug sicher mit dem laufenden Stahlseil. Damit trägt die Klemme das volle Gewicht der Kabine bzw. des Sessels samt Insassen. Nach Vorschriften muss die Klemme in der Lage sein, den 3fachen Hangabtrieb (Kraft, die das Fahrzeug talwärts zu rutschen bringen würde) zuverlässig halten. Für die Erzeugung der Klemmkraft werden heute starke Federn (Tellerfedern, Spiralfedern, Torsionsfedern) eingesetzt. Bei der VH 400 handelt es sich um eine spezielle Variante der Klemmkraftbildung. Mit der Tellerfeder wird 2/3 der Klemmkraft erzeugt, während die letzten 1/3 durch ein Hebelmechanismus vom Eigengewicht des Fahrzeuges gebildet werden. Ein leeres Fahrzeug klemmt somit weniger fest und schont somit Mechanismus und Seil.

Verwendete Quellen:

ropewaygrips.ch

Sammlung Verkehrshaus

Diverse Eigenrecherchen des Seilbahnmuseums